![]() Tastrelief (Otto Rabisch 1995) |
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Hauptanliegen der Forschungsstelle "Blindeninformatik" ist es, den nutzergerechten Zugriff auf Medien aus Bildung, Beruf und Freizeit durch fortschrittliche Informations- und Kommunikationstechniken zu erschließen. Gemeinsam mit Partnern aus dem Bereich der beruflichen Bildung von Blinden und Sehbehinderten werden computer- und webgestützte Lernsysteme so ausgestaltet, dass Barrieren beseitigt, Benachteiligungen vermindert und Chancengleichheit verwirklicht werden.
Mit der breiten Einführung der Personalcomputer mit Multimediakomponenten, die auch zur Telekommunikation fähig sind, stehen den Normalsichtigen neue hochwirksame technologische Werkzeuge für alle Lebensbereiche von der Ausbildung über die berufliche Tätigkeit bis zur Freizeitgestaltung zur Verfügung. Blinden und Sehbehinderten dagegen bleiben diese Werkzeuge ganz oder teilweise verschlossen, es sei denn, es gelingt, die Folgen der sensorischen Defizite durch intelligente Mittel und Methoden auszugleichen. Das heißt, alle auf den Bildschirm gerichteten Nutzer- und Computer-Aktionen müssen durch möglichst äquivalente technische Mittel und Methoden substituiert werden.
► Problem: der nicht-visuelle Zugang zum Personalcomputer
Seit 2006 bieten wir als Äquivalent für ausgeprägt dreidimensionale Bildschirm-Objekte "handliche" interaktive 3D-Medien an. Hierzu implantieren wir RFID-Funkchips in 3D-Objekte und erhalten so "smarte" Medien, die direkt mit Dingen, Personen und Daten im Internet vernetzt werden. Damit diese Medien im direkten Dialog nicht nur von Normalsichtigen sondern auch von Blinden und Sehbehinderten genutzt werden können, werden dort tastbare Informationspunkte gestaltet und mit Signalfarbe versehen.
Zwischen der smarten Hand bzw. dem smarten Kopf einerseits und den Anatomie-Lehrmaterialien im lokalen PC oder dem Internet andererseits kann über entsprechende Software eine Vernetzung hergestellt werden. Nach dem Antippen eines Informationspunktes der Modelle wird der zugehörige Lehrbuchtext aus dem Internet bzw. Intranet bereitgestellt.
Die beschriebenen interaktiven smarten 2D- und 3D-Medien sowie elektronische Medien für Text, Grafiken und Reliefs bis hin zu elektronischen Büchern (Web-Bücher und auch DAISY-Bücher), werden in der Ausbildung verwendet, platziert vorzugsweise im Internet.
Gemeinsam mit Partnern aus dem Bereich der Berufsförderungswerke wurde seit 1992 eine Fülle elektronischen und taktilen Studienmaterials für die berufliche Bildung von Blinden und Sehbehinderten bereitgestellt.
Audio-taktiles System 1993, Funktionsmuster eines pneumatischen Blindendisplays 1993, Thermostift 1994, Audio-taktiler Wissenserwerb 1996, Interaktive 3D-Modelle 1998, erster Text- und Grafik-Kurs im Internet 2002, erstes DAISY-Lehrbuch 2004 und die interaktiven RFID-Modelle seit 2007 sind nur einige der wissenschaftlich-technischen Meilensteine in der Arbeit der Forschungsstelle. Bei allen Projekten wurden Ergebnisse angestrebt, die unmittelbar in der Praxis anwendbar waren. Deshalb gehörte die Erprobung dieser Ergebnisse beispielsweise in den Ausbildungseinrichtungen der Blinden und Sehbehinderten zum festen Programm aller Projekte.
► Einige wissenschaftlich-technische Meilensteine
Über die durchgeführten Arbeiten wurde auf mehreren nationalen und internationalen Konferenzen und Workshops vorgetragen.
► Publikationen und Dokumentationen
Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Forschungsstelle sind Bestandteil der Informatik-Teildisziplin Mensch-Computer-Interaktion in Mixed Reality Systems (Systeme gemischter Wirklichkeiten aus Virtualität und Realität). Ein Schwerpunkt ist die Gestaltung von Benutzungsschnittstellen mit der Spezifik des Tangible Interaction Design (anfassbare Benutzerschnittstellen). Alle Arbeiten sind hierbei vom Gebot der bestmöglichen Ausrichtung auf die Bedürfnisse blinder, sehbehinderter aber auch normalsichtiger Endnutzer bestimmt.
► Einordnung in angewandte Informatik
Die Forschungsstelle "Blindeninformatik" hat von mehreren Einflussfaktoren des Dresdner Umfelds in Wissenschaft und Technik profitiert.
► Fördernde Faktoren im Dresdner Umfeld von Wissenschaft und Technik
Forschungsgruppe "Computergestützte Blindenhilfsmittel" im Erika Schreibmaschinenwerk Dresden GmbH, Arbeitsstelle "Innovative Techniken für Blinde und Sehbehinderte" für den Blinden- und Sehbehinderten-Verband Sachsen (mit Verantwortung für Forschung und Entwicklung, Fertigung und Vertrieb sowie Text- und Grafikservice) und Bestandteil der GFaI Sachsen, das sind die organisatorischen Stationen der Forschungsstelle.
| Prof. Dr. Jürgen Lötzsch |
Tel.: 0351-216.8842 Fax : 0351-216.8843 |
GFaI Sachsen e.V. Wachwitzblick 4, 01279 Dresden |